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"Die Entscheidung des Fuchses", Kapitel 4:

Er klappte seinen Stock ein und hielt sich an Zoeys Arm fest, und ein kleiner Schauder durchlief sie, als er sie berührte. Sie führte ihn langsam den Pfad entlang, wich vorsichtig den Kuhlen und Buckeln aus. Der Wald mit seinen hohen Zuckerahornbäumen, Weiss-Eichen, Hemlocktannen und Ulmen umgab sie und bis auf das Plätschern des Sees und einigen Vogelrufen war es still um sie herum. Es hatte noch keine Frostnächte gegeben und die Bäume trugen ihr grünes Laub.
Zoey genoss die Ruhe, die Nähe des Seeufers erinnerte sie an das Ufer des Potomac Rivers, wo sie aufgewachsen war. Dort hatte sie schwimmen gelernt, sie hatte Burgen und Verstecke gebaut, war vom Baum gefallen und zum ersten Mal geküsst worden. Ein Felsen, der über die Wasserfläche ragte, fiel ihr auf und als sie ihn Carter gegenüber erwähnte, nickte er.
„Der Fuchs kennt den Platz, man kann von dort den Sonnenaufgang wie den Sonnenuntergang sehen.“

 

Nach einer knappen Meile überquerten sie auf einer schmalen Brücke den Cove River, der Wald wich zurück und gab eine Lichtung frei, die sich bis zum Ufer des Sees erstreckte. Am Rand der Wiese bat Carter Zoey, stehenzubleiben, er zog sich aus und setzte sich auf den Wiesenboden.
„Setz dich, schließ die Augen und achte auf deine anderen Sinne, der Lichtsinn ist für viele Tiere nur zweitrangig. Was hörst du? Was riechst du? Was spürst du unter deinen Händen und auf deiner Haut?“ Die geübte Stimme des Lehrers zog sie mit. „Hörst du den Wald, die Bäume, die raschelnden Blätter? Riechst du das Moos? Spürst du den Wind, bist du neugierig auf die Botschaften, die er bringt?“
Die Intensität seiner Stimme berührte sie. Das hier ist Carters Welt. Sein Zuhause. Sie mogelte, öffnete die Augen einen Spalt weit, und betrachtete Carter, wie er dort auf dem Boden saß, die versehrte Hand ruhte in seinem Schoß, die unversehrte Linke strich liebevoll über den Wiesenboden, ertastete die feinen Unebenheiten und sein Gesicht leuchtete vor Freude. Dieser neue Ausdruck, diese Leidenschaft, die sie bei ihm so selten erlebte, weckte erneut ihre Sehnsucht. Schnell schloss sie die Augen wieder, konzentrierte sich auf die Umgebung und die Stimme des Wandlers.
„Immer, wenn ich hier draußen bin, bin ich Teil von etwas Größerem. Ich genieße das Gefühl des Wassers an den Schwimmhäuten des Otters, spüre den Wind unter den Schwingen des Adlers und rieche den Duft der Kräuter unter den Hufen des Hirschens.“
Ohne ersichtliche Mühe verwandelte sich Carter in den Fuchs und blickte sie an. Zoey streckte die Hand aus und berührte sein weiches Fell, der kleine Körper erstarrte und duckte sich unter ihren Fingern weg.

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